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04.07.2010
St. Pauli legt erst nach der Pause richtig los
Fast eine Stunde lang glich das Aufeinandertreffen der beiden Clubs, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern, eher einem Sommerkick als einem großen Fußballfest. Denn vor den 2500 zahlenden Zuschauern im VfR-Stadion siegte der FC St. Pauli zwar mit 6:0, richtig ernst jedoch machte der Erstligist aber erst nach der Pause.
Die ersten Chancen hatte erstaunlicher Weise der VfR. Zunächst scheiterte Franko Milbradt mit einem Freistoß an Benedikt Pliquett (6.), der das St. Pauli-Tor hütete. Danach verfehlte Patrick Amponsah aus gut und gerne 20 Metern das Gehäuse nur knapp (8.). Aber schon früh machte sich der Klassenunterschied der beiden Kontrahenten bemerkbar - vor allem dann, wenn die Gäste begannen, flüssig zu kombinieren. Etwas Zählbares jedoch brachten die Hanseaten, bei denen vor dem Seitenwechsel zumeist der agile Charles Takyi die Angriffe einleitete, bis zur 20. Minute nicht fertig. Dann jedoch legte Takyi aus dem "Sechzehner" heraus klug für Rouwen Hennings auf der Außenposition zurück. Dessen Flanke verwertete Marius Ebbers per Kopf zum Führungstreffer.
In der Folgezeit hielt der VfR weiter munter dagegen, stand in der Defensive dicht gestaffelt. St. Pauli tat sich derweil schwerer, als erwartet, biss sich an der Rasensport-Abwehr mehrfach die Zähne aus und glänzte phasenweise nur durch Ideenlosigkeit. Und wenn es für die Gäste ein Durchkommen gab, dann fehlte ihnen zudem das nötige Glück im Abschluss. Erst übersah Rouwen Hennings, der sich auf der linken Seite durchgesetzt hatte den um einiges besser postierten Charles Takyi und schoss ans Außennetz (25.), statt quer zu legen. Beim Schuss von Max Kruse kurz vor dem Seitenwechsel war dann Neumünsters Keeper Niklas Jakusch auf dem Posten (45.). Auf der Gegenseite hatte zuvor Jakuschs Teamkollege Marinko Ruzic Pech, als sein aus aussichtsreicher Position abgefeuerter Schuss von Carsten Rothenbach noch abgeblockt wurde.
In der zweiten Hälfte erspielte sich St. Pauli dann mehr und mehr ein Übergewicht - dennoch dauerte es eine Viertelstunde ehe die Hamburger, die in der Pause bis auf Fabian Boll komplett durchwechselten, den zweiten Treffer des Tages nachzulegen. Mit einem schönen Heber überwand Petar Filipovic Keeper Hüsni Özdemir, der ab der 46. Minute Jakusch zwischen den Pfosten ablöste (61.). Nur sieben Minuten später folgte der zweite starke Auftritt des aus der Reserve in den Erstliga-Kader aufgerückte Filipovic. Aus rund 25 Metern hämmerte er einen Freistoß, bei dem sich Özdemir vergebens streckte, zum 3:0 aus Sicht der Braun-Weißen in die Maschen. Timo Schultz - ebenso wie Filipovic zur Pause in die Partie gekommen - erhöhte 13 Minuten vor dem Abpfiff auf 4:0. Für den fünften Treffer der Stanislawski-Schützlinge sorgte Deniz Naki, der nach einem langen Pass von Filipovic Özdemir aussteigen ließ und problemlos einschob. Das halbe Dutzend machte schließlich der ohne Zweifel prominenteste Neuzugang der Hamburger voll: Der Ex-Rostocker Fin Bartels spielte den vom FC Schalke 04 ans Millerntor gewechselten Gerald Asamoah frei, der den Angriff in der 85. Minute mit einem Flachschuss abschloss.
"Man hat gesehen, dass wir erst zwei Mal trainiert haben", befand VfR-Trainer Ervin Lamce nach der Begegnung. Der Kräfteverschleiß auf Seiten der Rasensportler sei "unverkennbar" gewesen. Zudem habe man gesehen, "dass, sich einige unserer Neuzugänge noch an das Tempo gewöhnen müssen", fügte der 37-Jährige hinzu.
VfR Neumünster: Jakusch (46. Özdemir) - Thomas (69. Kalma), Giese, Amponsah, Bock - Gülbay (62. Siedschlag), Zenker (46. Christophersen) - Möller (62. Schwenn), Ruzic (69. Mercan), Kramer - Milbradt (78. Künstler).
FC St. Pauli (1. Halbzeit): Pliquett - Rothenbach, Morena, Gunesch, Oczipka - Hennings, Bruns, Boll, Kruse - Ebbers, Takyi. (2. Halbzeit): Kessler - Volz, Thorandt, Eger, Lechner - Filipovic, Schultz, Boll - Bartels, Asamoah, Naki.
Schiedsrichter: Balsam (Altenholz)
Zuschauer: 2500
Quelle: Nordsport vom 05.07.2010 (Auszug)




